04

Feb

2020

Vernetzte Mobilität im ländlichen Raum

Warum spricht man von einem vernetzten ÖPNV System?

Das Angebot im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) auf dem Gebiet des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes besteht aus Bus-, S-Bahn/Bahn- und in den Großstädten auch Straßenbahnleistungen. Im Landkreis Leipzig liegen nicht alle Orte an einer Bahnstrecke oder an einer Buslinie mit einer hohen Taktfrequenz.

Damit trotzdem ein großes Maß an öffentlicher Mobilität erreicht werden kann, ist es das Ziel aller Verkehrsunternehmen, die Fahrpläne so untereinander abzustimmen, dass sinnvolle Verknüpfungen zwischen den Verkehrsmitteln entstehen. So können z.B. auch Fahrgäste aus Orten, die keinen direkten Bahnanschluss haben, ohne lange Wartezeiten die Stadt Leipzig erreichen.
Bei der Fahrplangestaltung wird auch die Vernetzung von individueller Mobilität, z. B. mit dem Pkw oder dem Fahrrad mitgedacht. Anstatt einzelne, isolierte Linien ohne Berücksichtigung der Anschlüsse zu anderen Verkehrsmitteln zu betrachten, werden attraktive Reiseketten für Fahrgäste angestrebt.

Der Zug/S-Bahnverkehr bildet das Grundangebot im öffentlichen Personennahverkehr.
Viele Buslinien in den Landkreisen sind mit den Fahrzeiten der Bahn abgestimmt. Mit kurzen Wartezeiten kann der Fahrgast jeweils in das andere Verkehrsmittel umsteigen.
Dies gilt aber auch für die Buslinien untereinander, da nicht jeder Ort mit jedem direkt verbunden werden kann.
Durch eine Kombination von Parkplätzen und Abstellanlagen für Fahrräder mit den Knotenpunkten des ÖPNV soll der Zugang zum öffentlichen Verkehrsangebot zusätzlich erleichtert werden.

Welche Arten von Buskategorien gibt es?

Plusbussignet Der PlusBus fährt mit einer stündlichen Taktung montags bis freitags von 06 Uhr bis 20 Uhr und am Wochenende, unabhängig von den Schul- und Ferienzeiten. Er bietet Anschluss an die S- und Regionalbahnen. So profitieren auch Einwohner, die nicht direkt an der S-Bahn wohnen von diesen Nahverkehrsangebot zum gleichen Verbundtarif.
Taktbussignet Der TaktBus fährt aller zwei Stunden zwischen 05 und 21 Uhr, auch am Samstag, in den Abendstunden und in den Ferien. Er verbindet kleinere Orte in ländlichen Regionen mit Städten.
Der StadtBus fährt alle 30 bis 60 Minuten und auch am Wochenende in mittelgroßen Städten.
Der RufBus fährt nur auf Bestellung durch den Fahrgast per Telefon oder App.
Bussignet Der Begriff „Bus“ wird weiterhin verwendet für alle nicht klassifizierten Verkehre. Es sind keine Standards definiert

 

Was ist ein Taktfahrplan?

Bei einem Taktfahrplan verkehren die Busse einer Linie in festen Zeitintervallen. Im Busverkehr ist das bei den PlusBus-Linien der Stundentakt, bei den TaktBus-Linien der Zweistundentakt. Die Busse fahren während der Bedienungszeit an einer Haltestelle immer zur selben Minute ab. Durch die regelmäßige Vertaktung entfallen somit aufwändige Fahrplanrecherchen und die Fahrplanzeiten sind leicht merkbar.

Zum Beispiel fährt die PlusBus-Linie 101 in Borna am Bahnsteig 4 täglich von Montag bis Freitag ab 06:07 Uhr bis 21:07 Uhr stündlich über Böhlen nach Zwenkau. Die Abfahrt ist stets 7 Minuten nach der vollen Stunde. Somit ist also alles im Takt.

Hinweis: Nicht alle Buslinien im Landkreis Leipzig verkehren nach einem Taktfahrplan. Dies sind vor allem Linien, deren Fahrpläne mit dem Schülerverkehr abgestimmt sind. Auch diese Linien stehen allen Fahrgästen zur Nutzung offen.

Was ist ein Umsteigepunkt?

Liegen Abfahrts- und Zielhaltestelle eines geplanten Weges nicht an einer durchgehenden Verbindung mit einer Linie, muss der Fahrgast das Verkehrsmittel wechseln.

Damit für die Fahrgäste ein möglichst großes Angebot an Fahrmöglichkeiten besteht, werden im Rahmen der Verkehrsplanung besondere Haltestellen, an denen sich immer mindestens zwei Linien zur selben Zeit treffen, als Umsteigepunkt festgelegt. Dadurch ist ein Umstieg zwischen den Linien möglich und mit wenigen Wechseln ist so die gesamte Region mit dem Bus erreichbar.

Beispiel: Der Busplatz in Kitzscher stellt einen besonderen Umsteigepunkt dar. Er ist ein Haltepunkt für sechs Linien. Verbindungen be­stehen von dort nach Böhlen/Zwenkau, Bad Lausick, Großpösna und Grimma sowie nach Borna.

Wie wird den Fahrgästen das Umsteigen erleichtert?

Im Landkreis entsprechen viele Haltestellen den Anforderungen der Barrierefreiheit.
Um das Ein- und Aussteigen zu erleichtern, werden meist moderne Niederflurfahrzeuge eingesetzt.

In Busfahrplänen sind Umsteige- und Wartezeiten eingearbeitet, die auch die Wegezeit zwischen den einzelnen Haltepunkten berücksichtigen und ein entspanntes Umsteigen ermöglichen. Sollte ein Bus eine Verspätung haben, werden die Busfahrer über das rechnergestützte Betriebsleitsystem zur aktuellen Situation der Anschlussbeziehung informiert. An Verknüpfungsstellen am Bahnhof wartet ein Bus so lange wie nötig auf den verspäteten Zug, so dass der Fahrgast trotzdem umsteigen kann. Leider geht dies nur bis zu einer bestimmten Zeit, da ansonsten ein anderer Umstieg gefährdet wird.

Über Ansagen werden Reisende im Bus über Verspätungen informiert. Über die Handy App easy.GO können Fahrgäste aktuelle Daten zur gewünschten Reiseroute abrufen.

Eine weitere bedeutende Erleichterung für den Fahrgast sind Informations- und Orientierungssysteme an den betreffenden Umsteigepunkten. Hierzu gehören die aktuellen Fahrplanaushänge, die Informationen zum Netz und zum Tarif und ggf. die Wegweisung zu den weiteren Haltepunkten. An besonders frequentierten Halte- bzw. Umsteigestellen sind leicht bedienbare und behindertengerechte dynamische Fahrgastinformationssysteme installiert. Diese metallischen Kästen am Haltestellenmast informieren Fahrgäste über aktuell angebotene Fahrten.

Warum jetzt umsteigen?

Weil es sinnvoll, komfortabel und möglich ist. Durch ein gut kombinierbares und aufeinander abgestimmtes System von Bus und Bahn kann die individuelle Reisezeit verkürzt und somit eine echte Alternative zum Pkw geschaffen werden. Eine zunehmende Vernetzung der einzelnen Verkehrssysteme und der Vertaktung von Regionalbahn und Busverkehr bzw. der Busverkehre miteinander können somit langfristig Fahrgastzuwächse erreicht und Streckenstillegungen und Linieneinstellungen entgegenwirkt werden. Von einer Verbesserung des Angebots der Bus und Bahnverbindungen profitieren in der Folge nicht nur Alltagspendler, sondern auch Besucher und Urlauber und somit ganze Städte und Regionen.

Neben den Vorzügen in der Weggestaltung hat der ÖPNV auch eine zunehmende ökologische Bedeutung. Kein anderes Verkehrsmittel ist so umweltfreundlich wie der Bus. Mit schnellen Verbindungen, abgestimmten Fahrplänen und einheitlichen Fahrpreisen für Busse und Bahnen kann der ÖPNV eine vernünftige und zugleich attraktive Alternative zum motorisierten Individualverkehr sein.