11

Mrz

2019

Nach uns das UFO

Zukunft der Mobilität

Städtische Seilbahnen werden als Verkehrsmittel der Zukunft immer interessanter. Die Technik ist ausgereift und bietet eine günstige Verkehrsentlastung in den Metropolen dieser Welt.

Das städtische Verkehrsaufkommen steigt und steigt und steigt. In Science-Fiction Filmen wie Blade Runner bewegen sich Stadtbewohner deshalb mit fliegenden Untertassen schon mal durch tiefe Straßenschluchten oder über sie hinweg. Mittlerweile rücken die „Taxis der Lüfte“, die wie große Drohnen mit Propellern und Elektromotoren betrieben werden, durchaus in den Bereich des Realistischen. Wenn da nicht ein Problem wäre: Die Sicherheit über den Köpfen der Stadtbewohner. Denn was hoch fliegt, kann auch tief herunterfallen. Deshalb dürfte der fliegende Privatverkehr noch eine Zeit lang Zukunftsmusik bleiben. Doch wie lange noch?

Stadtseilbahnen – in Bolivien fährt die größte

Bevor die absturzsicheren Ufos erfunden werden, könnten Seilbahnstrecken in der Stadt eine geniale Lösung für den urbanen Nahverkehr sein. Eine solche verbindet zum Beispiel die bolivianischen Städte La Paz und El Alto. Hier transportiert die Stadtseilbahn täglich über 160.000 Menschen über eine Distanz von 30 Kilometern zwischen den extrem dicht besiedelten Städten. Der sogenannte Teleférico ist damit heute die längste Seilbahn der Welt. Neben weiteren Städten in Lateinamerika wird das Konzept Seilbahn auch in Europa umgesetzt. Etwa im spanischen Madrid, in Funchal auf Madera und in Lissabon, wo die Hochseilbahn als städtisches Verkehrsmittel bereits ihre Qualitäten beweist.

Hochschwebende Vorteile nicht nur für Bergregionen

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Der große Vorteil von Seilbahnen ist ihr verhältnismäßig unkomplizierter und kostengünstiger Aufbau sowie ihre energie- und platzsparende Betriebsweise. Für ihren Betrieb müssen keine Schienen verlegt und keine Tunnel gegraben werden. Und der Verkehrsweg ist immer frei. Sozusagen luftig frei. Das garantiert Schnelligkeit und die sichere Einhaltung des Fahrplans. Seilbahnkonzepte bieten sich überall dort an, wo das Gebiet ein Steigungsgefälle aufweist. Hier gibt die natürlich vorhandene Hanglage beim Betrieb einen natürlichen „Aufhänger“ für die Betriebsstation. Aber auch zur Überwindung von topografischen Hindernissen wie Flüssen oder dicht bebauten Gebieten eignen sie sich hervorragend. Zudem macht die heutige Technologie ihren Einsatz sehr sicher, unterschreiten Seilbahnen doch statistisch die Störungsbilanzen konventioneller Verkehrsbetriebe. Während unten auf der Straße also der Verkehr stockt, die Luft steht und vom Gehupe nervöser Autofahrer erfüllt ist, sitzt der Seilbahnfahrgast in luftiger Höhe und gleitet entspannt über das Verkehrs-Chaos hinweg von A nach B.

Verkehr auf der „dritten Ebene“

Städtische Seilbahnen werden in Zukunft auch in Deutschland zunehmend als punktuelle Entlastung des Nahverkehrs eingesetzt. Im Behördendeutsch heißt das: „Verkehr auf der dritten Ebene“. Hierfür müssen spezielle Rechtslagen und Sicherheitsprämissen in Bezug auf Gebäude und Streckenführung erfüllt sein sowie ein plausibler Bedarf vorliegen. Universitätsstandorte, außerstädtische Siedlungsregionen oder auch kleinere Flughäfen, die noch nicht über eine ausreichende ÖPNV-Verbindung verfügen, könnten kurzfristig per Seilbahntechnik einen guten Zubringer erhalten. Was die Zukunft auch bringt, Stadtseilbahnen werden dazugehören – und danach kommen dann nur noch die Ufos.