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Freizeit & Kultur

Zwei reizvolle Nebenbahnen zum Entdecken

Im Süden Sachsen-Anhalts liegen zwei Bahnstrecken, die man leicht übersieht. Die eine folgt der Unstrut durch Weinberge, die andere fährt an einem See entlang, der dort liegt, wo einmal Braunkohle gefördert wurde.

Die Unstruttalbrücke in Karsdorf
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Datum
Lesezeit
4 Min

Beide Strecken bringen Dich gemütlich und mit Panoramafenstern zu einigen außergewöhnlichen Orten und Sehenswürdigkeiten im MDV. Also lehn Dich zurück und lass Dich von unseren „Streckenporträts“ zu einem Ausflug mit der Bahn inspirieren.

Mit der RB77 eine Stunde durchs Weinland

Ab Naumburg Hauptbahnhof fährt die RB 77 stündlich ins Unstruttal. Bis zur Endstation Wangen sind es knapp 58 Minuten und fast die ganze Strecke bleibt die Bahn dicht am Fluss.

Erster Halt für Genießerinnen und Genießer ist Freyburg. Zur Rotkäppchen Sektkellerei (1) sind es vom Bahnhof rund zehn Minuten zu Fuß. In den Kellern, die sich über fünf Etagen in den Berg ziehen, steht das größte geschnitzte Cuvéefass Deutschlands. Noch einmal fünf Minuten weiter beginnt der Aufstieg zu Schloss Neuenburg (2) mit seiner spätromanischen Doppelkapelle.

Karte mit kleinen Markern für Sehenswürdigkeiten entlang der Saale-Unstrutbahn RB77

Nächster Halt unserer Reise entlang der Unstrut: Laucha. Dort lohnt der Umweg ins Glockenmuseum (3). In der Gießerei von 1790 goss die Familie Ulrich über 5.000 Bronzeglocken in Handarbeit. Nach dem letzten Guss 1911 blieb die Werkstatt beinahe unverändert stehen. Geöffnet von Mai bis Oktober, mittwochs bis sonntags. Wer wandern will, steigt hier aus und läuft den rund zwölf Kilometer langen Weinlehrpfad zurück nach Freyburg. Und im Rathaus Laucha, fünf Gehminuten vom Bahnhof, öffnet samstags von 15:30 bis 17:30 Uhr das Unstrutbahn-Museum, Eintritt frei.

Kurz vor Karsdorf kommt der Moment, der Bahnerherzen genauso höher schlagen lässt wie Fotografenherzen: Die 2.668 Meter lange Unstruttalbrücke (4) der ICE-Strecke Erfurt–Leipzig/Halle spannt sich über Fluss und Nebenbahn. Oben Hochgeschwindigkeit, unten Stundentakt kreuzen sich hier Fern- und Nahverkehr vor schönster Kulisse.

Am Ende der Strecke wartet Wangen. Vom Bahnsteig sind es rund 700 Meter zur Arche Nebra (5), dem Besucherzentrum zur Himmelsscheibe. Die Arche Nebra ist mit seinem futuristischen Design schon von außen einen Besuch wert. Drinnen warten eine spannende Reise in die Zeit vor 3.600 Jahren und ein Planetarium auf Besucherinnen und Besucher. Von April bis Oktober täglich 10 bis 18 Uhr geöffnet. Das Außengelände auf dem Mittelberg mit Aussichtsturm ist kostenfrei. Zum eigentlichen Fundort sind es noch einmal drei Kilometer, die man von Ostern bis Ende Oktober auch mit der Buslinie 629 fahren kann.

Zehn Leute, eine Gaststätte, eine Bahnstrecke

Dass in Wangen überhaupt ein Zug hält, ist einem Verein zu verdanken. 2005 gründeten zehn Engagierte in der Gaststätte „Zur Finne“ in Gehofen die IG Unstrutbahn. Den Haltepunkt Wangen baute der Verein im Winter 2008/09 gemeinsam mit dem Streckenbetreiber selbst, zunächst als Gerüstbahnsteig. Erst 2011 kam die heutige Holzkonstruktion. Inzwischen zählt der Verein rund 35 Mitglieder und bestellt im Jahr etwa 180 Sonderzugfahrten, die über die Endstation hinaus bis Roßleben führen. Über dem Auftritt der IG steht ein Satz, der ihre Arbeit gut zusammenfasst: „Die Eisenbahn besteht zu 95 Prozent aus Menschen und 5 Prozent Eisen.“

Die S11: Vier Umzüge und ein neu entstandener See

Die zweite Strecke hat eine ungewöhnliche Geschichte. 1886 zwischen Merseburg und Mücheln eröffnet, 1911 bis Querfurt verlängert, musste die Geiseltalbahn viermal dem Braunkohletagebau weichen. Zuletzt wurden zwischen 1962 und 1964 gleich 18,2 Kilometer neu trassiert. Damals entstand das rund 270 Meter lange Viadukt bei Mücheln. Seit Dezember 2024 fährt hier die S 11 im Stundentakt von Halle über Merseburg bis Querfurt, gut 60 Minuten für die gesamte Strecke.

Infomarker zu Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke der S11 auf einer topografischen Karte

Aus dem einstigen Tagebau ist ein See entstanden. 1993 endete die Kohleförderung und von 2003 bis 2011 lief das Restloch mit Wasser voll. Der entstandene Geiseltalsee (2) misst heute rund 18 Quadratkilometer, ist bis zu 78 Meter tief und einer der größten künstlichen Seen Deutschlands. Um ihn herum führt ein asphaltierter Rundweg von rund 25 Kilometern.

Am Haltepunkt Braunsbedra Pfännerhall stoppt der Zug 150 Meter vor der Museumstür. In der Zentralwerkstatt von 1923 zeigt die Ausstellung „Fundort Pfännerhall“ die berühmten Geiseltal-Fossilien, darunter das Urpferdchen. Draußen steht ein 9,5 Meter hoher roter Elefant von Moritz Götze. Geöffnet Mittwoch bis Sonntag von 12 bis 17 Uhr.

Auf der alten Tagebaukippe wächst sogar Wein. Der Hobbywinzer Rolf Reifert pflanzte hier ab 2000 die ersten Reben. „Vom Bergbau zum Weinbau" nannte er sein Projekt. Heute stehen auf rund sechs Hektar neun Rebsorten am Südhang des Weinbergs Goldener Steiger (1) – 2020 sogar als schönste Weinsicht Saale-Unstrut ausgezeichnet. Die Straußwirtschaft der Familie Reifert hat täglich geöffnet zwischen Karfreitag und Ende Oktober.

Aber zurück zur Strecke: Am Ende der Linie thront die Burg Querfurt (3), eine der größten Burganlagen Mitteldeutschlands. Von April bis Oktober ist sie dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr für Besucherinnen und Besucher geöffnet.

Gut zu wissen

Beide Strecken, Unstrut- und Geiseltalbahn, liegen im MDV-Gebiet, sind also zum üblichen MDV-Tarif enthalten. Für Familienausflüge lohnt sich besonders die 24-Stunden-Karte Plus. Darauf fahren bis zu drei Kinder zwischen 6 und 14 Jahren kostenfrei mit. Zu haben ist die 24-Stunden-Karte Plus für eine oder 2 Personen. Fahrräder kommen in allen Nahverkehrszügen des MDV gratis mit – im Saalekreis und im Burgenlandkreis ganztägig auch in Bus und Straßenbahn. Der Platz an Bord ist begrenzt. An sonnigen Wochenenden lohnt sich also ein früher Zug.

Zwei Tipps zum Schluss: Wer in Naumburg übernachtet, hat mit der Gästekarte Bus und Bahn im Unstruttal inklusive. Und für die letzten Kilometer, die kein Zug fährt, gibt es seit August den Rufbus „Flotte Finne“, buchbar per App oder telefonisch.

Bildnachweise

In der Reihenfolge ihres Erscheinens:

  • Die Unstruttalbrücke in Karsdorf: Kai Michael Neuhold/Shutterstock.com
  • Karte mit kleinen Markern für Sehenswürdigkeiten entlang der Saale-Unstrutbahn RB77: MDV
  • Infomarker zu Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke der S11 auf einer topografischen Karte: MDV

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