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Freizeit & Kultur

Noch mehr barrierefreie Erlebnisse im MDV-Gebiet

Diese Ausflugsziele bieten die Chance auf echte Teilhabe – so geht Barrierefreiheit! (2/2)

Das Planetarium in Halle (Saale) mit der Sternwarte von außen
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Datum
Lesezeit
6 Min

Stufe am Eingang. Aufzug außer Betrieb. Keine Infos in Brailleschrift. Führung mit Gebärdensprache nur auf Anfrage monatelang im Voraus. Und dann noch das Ding mit dem Seiteneingang: alle anderen gehen durch die große Tür, im Rollstuhl fährst du um den Block, klingelst, wartest. Nicht böse gemeint, aber doch unschön, ausgrenzend, verletzend. Barrierefreiheit, die sich nach Ausnahme anfühlt, ist keine. Vier Orte in der MDV-Region machen es anders – für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, mit Seh- oder Hörbehinderung und mit kognitiven Beeinträchtigungen. In einem ersten Teil haben wir das Bauhaus Dessau sowie das Schauspiel Leipzig vorgestellt, in Teil zwei geht es jetzt zum Museum der bildenden Künste in Leipzig und in das Planetarium in Halle (Saale). Übrigens: Alle vier Ziele sind bequem mit Bus und Bahn erreichbar.

Museum der bildenden Künste Leipzig

Kunst zum Anfassen – im wörtlichen Sinne

Das Museum der bildenden Künste (MdbK) gehört zu den eindrucksvollsten Museumsbauten Deutschlands und es überrascht auch in Sachen Barrierefreiheit. Beide Eingänge sind ebenerdig und automatisch zu öffnen. Wer mag, leiht sich an der Kasse kostenlos einen Rollstuhl oder einen tragbaren Hocker aus. Besonders bemerkenswert: Zu sechs Werken der Dauerausstellung gibt es sogenannte MdbK [hubs] – Medienstationen mit Tastreliefs, Audiotexten in Leichter Sprache und Videos in Deutscher Gebärdensprache. Welche Werke? Unter anderem Cranach, Ruysch, Klinger und Mattheuer. Kunst, die man nicht nur sehen, sondern auch fühlen kann.

Fortbewegung

Alle Ausstellungs- und Servicebereiche sind ebenerdig oder per Aufzug erreichbar, die Türen mit Kontrastmarkierungen versehen und automatisch zu öffnen. Rollstuhl und Hocker können kostenlos an der Kasse ausgeliehen werden. Barrierefreie WCs gibt es im Erdgeschoss und im Untergeschoss. Assistenzhunde sind im gesamten Museum willkommen.

Hände erkunden ein taktiles Relief im MdbK

Sehen

An sieben Medienstationen lassen sich Kunstwerke der Dauerausstellung über Tastreliefs buchstäblich erfühlen. Sie werden ergänzt durch Audiotexte, die die Werke beschreiben. Kontrastmarkierungen an Eingängen und Treppen sowie Brailleschrift in den Treppenhäusern helfen bei der Orientierung im Gebäude. Ein flächendeckendes Bodenleitsystem gibt es nicht.

MdbK hubs _Architektur erleben

Hören

Ausstellungseröffnungen werden in Deutsche Gebärdensprache übersetzt, ebenso ausgewählte öffentliche Führungen. Die Termine und weitere Informationen dazu stehen im Online-Kalender des Museums.

Kognitiv

Das MdbK lädt regelmäßig Menschen mit und ohne Demenz zu Werkgesprächen ein: in kleinen Gruppen, mit Zeit zum Ankommen und mit sinnlichen Elementen wie Düften, Klängen oder Tastobjekten, die den Zugang zu den Kunstwerken erleichtern. Vorerfahrungen sind ausdrücklich nicht erforderlich. Die Medienstationen bieten außerdem Audiotexte in Leichter Sprache, die vielen Besucherinnen und Besuchern den Einstieg erleichtern.

Anfahrt mit dem ÖPNV

Vom Hauptbahnhof Leipzig oder Augustusplatz in wenigen Minuten zu Fuß.

Planetarium Halle

Den Sternenhimmel mit allen Sinnen erleben

„Sterne gucken“ klingt erst mal nach einem Erlebnis fürs Sehen. Doch das Planetarium Halle denkt auch an Mitmenschen mit Beeinträchtigungen. Wer nicht sehen kann, ertastet einen echten Meteoriten oder das weltweit einzigartige tastbare Marsrelief dieser Größenordnung: 1,50 mal 3,36 Meter groß, mit Vulkanen, Tälern und dem großen Grabenbruch des Roten Planeten. Wer nicht gut hört, nutzt die Hörschleifen im Sternsaal oder lässt sich eine Führung in Gebärdensprache geben.

Fortbewegung

Vom Parkplatz bis in den Sternensaal geht es stufenlos. Wer die Beobachtungsterrasse oder die weiteren Veranstaltungsräume in den oberen Etagen erreichen möchte, nimmt den rollstuhlgerechten Aufzug mit Tastschaltern und akustischer Ansage. Ein barrierefreies Groß-WC mit Wickelplatz steht im Erdgeschoss bereit. Kommt jemand in Begleitung einer Person mit Schwerbehinderung, ist der Eintritt für die Begleitperson frei – vorausgesetzt, der Schwerbehindertenausweis trägt das Merkzeichen „B".

Sehen

Vom Eingang führt ein taktiles Blindenleitsystem bis zum Empfangsschalter. Alle Räume sind durch Tafeln normaler und mit Brailleschrift bezeichnet, die Beschilderung ist kontraststark gestaltet. Die Dauerausstellung hält außerdem besondere Angebote bereit: einen tastbaren Erdglobus, einen echten Meteoriten und das erwähnte Marsrelief, an dem man die Oberfläche des Roten Planeten mit den Händen erkunden kann. Führungen mit Tastobjekten sind auf Voranmeldung buchbar.

Sternsaal mit Stern-Projektor-und-Halle-Panorama

Hören

Alle Veranstaltungsräume sind mit Hörschleifen ausgestattet. Bei einem akustischen Alarm gibt es zusätzlich ein optisches Blink- und Blitzsignal. Informationen zu den Exponaten werden schriftlich vermittelt, und Führungen in Deutscher Gebärdensprache sowie mit FM-Anlagen – etwa Halsringschleifen oder Kopfhörern – sind auf Voranmeldung möglich.

Kognitiv

Führungen für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen vermitteln die Inhalte bildhaft und leicht verständlich. Wegezeichen in sichtbarem Abstand sorgen im Haus für gute Orientierung, der Name des Planetariums ist von außen klar erkennbar. Auch hier gilt: Eine Voranmeldung ist empfehlenswert, damit der Besuch optimal vorbereitet werden kann.

Anfahrt mit dem ÖPNV

Vom Hauptbahnhof Halle (Saale) mit der Tram 4 (wochentags) und Tram 9 bis Haltestelle Saline.

Bildnachweise

In der Reihenfolge ihres Erscheinens:

  • Das Planetarium in Halle (Saale) mit der Sternwarte von außen: Katrin Keym, Stadt Halle Saale
  • Hände erkunden ein taktiles Relief im MdbK: Anne Kasten/MdbK
  • MdbK hubs _Architektur erleben: Alexander Schmidt, PUNCTUM 2025
  • Sternsaal mit Stern-Projektor-und-Halle-Panorama: Thomas Ziegler, Stadt Halle Saale