Über sieben Brückenzurück

Details

Wandern Sie mit uns durch die schöne Stadt Halle an der Saale, entnommen aus dem neuen Buch des via reise verlag Berlin, „Ab ins Grüne“. Eine spannende und abwechslungsreiche Stadttour.

Tourverlauf

 
START: Von der Haltestelle Burg Giebichenstein gehen Sie die Seebener Straße noch 200 m nordwärts und kommen zum ersten Tourpunkt, Reichardts Garten. Er gilt unter historischem Aspekt als Halles bedeutendste Grünanlage. Denn wo sich heute gern Familien mit Kindern tummeln, traf sich im 18. Jahrhundert der Komponist Johann Friedrich Reichardt mit Geistesgrößen seiner Zeit. Selbst Goethe schaute gelegentlich vorbei. Den Weg zurück nehmen Sie im Anschluß und sind an der Burg Giebichenstein auf einem Felsen über der Saale. Auch hier verkehrte einst viel Kunstelite. Joseph von Eichendorff nannte sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts respektvoll das „verfallene Schloss“ und ließ sich von ihr für seine poetischen Arbeiten inspirieren. Heute beherbergt Burg Giebichenstein den Campus Kunst der Hallenser Hochschule für Kunst und Design. Doch Torturm und Gewölbekeller sind auch wieder für jedermann zu besichtigen. Anschließend wechseln wir nur über eine enge kopfsteingepflasterte Gasse zum Amtsgarten. Die gut fünf Hektar große Anlage rechts neben der Burg – 1740 als Barockgarten angelegt – arbeitet sich langsam einen Hügel hinauf. Vor allem gefällt sie mit einem unerwartet zügigen Wechsel verschiedener Anmutungen. Vom Amtsgarten geht es etwas steil hinunter zum breiten Saaleufer. Mehrere Fahrgastschiffe liegen an den Stegen vertäut. Auf der gegenüberliegenden Seite grüßen der berühmte „Krug zum grünen Kranze“ sowie die auf einem Hügel thronende Petruskirche im Stadtteil Kröllwitz.
 
— 2,3km: Wir wandern weiter stadteinwärts, entlang des Riveufers. Nach etwa einer halben Stunde erreichen wir den Heinrich-Heine-Felsen. Eine Treppe führt hinauf in den gleichnamigen Park, der ab 1870 anstelle eines mittelalterlichen Steinbruchs und späteren Weinberges angelegt wurde. Wir durchstreifen ihn gemächlich und treffen an dessen Fuß auf die Ochsenbrücke. Sie führt uns erneut über die Saale. Wir sind an der Ziegelwiese, einer Grünanlage mit einem großen Teich.
 
— 2,8km: Nun halten wir uns – immer noch die Saale im Blick – halbrechts und stoßen so an der für Autos gesperrten Peißnitzstraße auf die Brücke der Freundschaft. Hinter ihr beginnt die Peißnitzinsel, eine der belebtesten Grünzonen Halles. Jährlich am letzten Augustwochenende zieht sie Hunderttausende zu Laternenfest und Bootskorso an. Unmittelbar neben der Station des kleinen Peißnitzexpresses stand das Raumflugplanetarium „Siegmund Jähn“, das 2013 dem Hochwasser zum Opfer fiel und 2018 abgerissen wurde. Mehrere Initiativen hatten zuvor versucht, den denkmalgeschützten Gebäudekomplex zu erhalten. Das neue Planetarium wird im historischen Gasometer am Holzplatz auf der Salineinsel entstehen. Der Spatenstich erfolgte im Januar 2019. Weiter treibt es uns in Richtung der Südspitze der Insel. Über die schnurgerade Birkenallee laufen wir, vorbei an der Freilichtbühne, zum früheren Gut Gimritz. Das bettet sich in einen Park, der Botaniker die Zunge schnalzen lässt. Zur erlesenen Flora gehören eine Gurkenmagnolie, ein stachelloser Lederhülsenbaum, ein Ginkgo und ein Tulpenbaum. Über die Schafbrücke geht es entlang der Elisabethsaale durch den Sandanger.
 
— 4,4km: Wir erreichen die Mansfelder Straße, halten uns links, queren mit der Elisabethbrücke ein letztes Mal die Saale. Jetzt beginnen die innerstädtischen Highlights der Saalemetropole. So das Halloren und Salinemuseum. Im Grunde liegen in diesem industriegeschichtlich herausragenden Ensemble die Wurzeln der Stadt. Anno 806 fand „Halla“ als Ort an den Salzquellen erstmals Erwähnung. Die Mansfelder Straße weiter geradeaus und dann in die Domstraße gelangt man zum Dom, eine turmlose einstige Kirche des 1271 gegründeten Dominikanerklosters. Er zählt zu den frühesten Hallenkirchen Mitteldeutschlands. Experten preisen vor allem die bemerkenswerte Akustik in der lang gestreckten Pfeilerhalle.
 
— 5,5km: Vom Dom gelangt man in nördlicher Richtung über die Mühlgasse und den Schlossberg zur Moritzburg. Die spätgotische Vierflügelanlage beherbergt die sehenswerte Staatliche Galerie Moritzburg. Erst 2008 wurde die Burg auf spektakuläre Weise erweitert, indem das alte Gemäuer mit einem modernen Überbau sehr zurückgenommen-authentisch rekonstruiert wurde.
 
— 6,5km: Der Markt, den man von der Moritzburg aus über den Moritzburgring und die Große Ullrichstraße erreicht, wird weithin sichtbar von der großen, viertürmigen Marienkirche überragt. Ihre spätgotischen Westtürme sowie die Hausmannstürme prägen maßgeblich das Gesicht des Platzes. Schon Martin Luther predigte hier. Nicht zuletzt die in der Sakristei aufbewahrte Totenmaske Luthers und der Abdruck seiner Hände erinnern daran. Ins Auge fallen auch der vier Meter hohe Roland von 1854 am Roten Turm und natürlich das einzige deutsche Denkmal für den größten Sohn der Stadt, den Komponisten Georg Friedrich Händel (1685–1759). Eine Stadt in der Stadt bilden die Franckeschen Stiftungen neben der Hochstraße im Süden des Zentrums. Vom Marktplatz leitet die Schmeerstraße dorthin und führt unterwegs am Alten Markt mit dem Eselsbrunnen vorbei. Die Stiftungen gehen auf den Professor und Pfarrer August Hermann Francke zurück, der 1695 aus Spendengeldern eine Armenschule gründete. Das historische Fachwerkensemble, darunter das mit über 100 Metern Länge größte Fachwerkhaus Europas, ist ein Freilichtmuseum besonderer Art und mittlerweile weitgehend restauriert.
 
ZIEL: Den Rückweg zum Hauptbahnhof bestreiten Sie vom Franckeplatz mit der Tram 4 (nicht am Wochenende) oder Tram 7 und 9.