„Betriebe in Fahrt“ – Betriebliches Mobilitätsmanagement im Landkreis Leipzig

Im Rahmen der Fachkräfteallianz des Landkreises Leipzig widmet sich das von der Sächsischen Aufbaubank geförderte Projekt „Betriebe in Fahrt“ zwei Jahre lang dem Thema Betriebliches Mobilitätsmanagement. Auf diese Weise soll die Gewinnung und Sicherung von Fachkräften und Auszubildenden in der Region gefördert werden.

Aktuelle Meldungen

4. September 2017: Überland-Gespräch des Landkreises Leipzig in Borsdorf unter dem Motto „Mobil im Landkreis“

Gemeinsam mit Landrat Henry Graichen (CDU) diskutierten Vertreter aus Politik und Wirtschaft über die verschiedenen Mobilitätsprojekte im Landkreis Leipzig. Dabei war unter anderem das verbesserte Angebot für Arbeitnehmer ein wichtiges Thema. Herr Lehmann (Geschäftsführer MDV) stellte in diesem Zusammenhang auch das Projekt „Betriebe in Fahrt“ sowie die Jobticket -Angebote im MDV vor.

23. Mai 2017: Vorstellung des Projektes beim Work­shop „Tou­ris­ti­sche ÖPNV-Er­schlie­ßung und Wirt­schaft“

Im Rahmen der Veranstaltung zur ÖPNV-Er­schlie­ßung der tou­ris­ti­schen Ziele im Süd­li­chen Leip­zi­ger Neu­se­en­land wurden den Vertreten aus der Tourismusbranche die Inhalte und die Ziele des Projektes “Betriebe in Fahrt“ vorgestellt. Weitere Informationen finden Sie unter:

http://www.nahverkehr-neuseenland.de/index.php?id=247

2. Juni 2017: 1. Treffen Projektlenkungskreis

Auftakt einer neuen Zusammenarbeit: Vertreter des Landkreises Leipzig, der Industrie- und Handelskammer, der Invest Region Leipzig GmbH, des Jobcenters Landkreis Leipzig, der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH, der Verkehrsunternehmen Regionalbus Leipzig und THÜSAC sowie des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes und externe Berater kamen zusammen.

Im Fokus dieses Treffens stand das gegenseitige Kennenlernen der Projektpartner sowie die Vorstellung der Ziele und Inhalte des Projektes „Betriebe in Fahrt“. Herr Prof. Monheim (raumkom – Institut für Raumentwicklung und Kommunikation) stellte den Teilnehmern die Grundzüge des Betrieblichen Mobilitätsmanagements sowie erfolgreiche Beispiele aus der Praxis vor. Zudem verständigten sich die Teilnehmer über die weitere Zusammenarbeit.

Was ist Betriebliches Mobilitätsmanagement?

Mobilitätsmanagement allgemein bezeichnet einen nachfrageorientierten Ansatz im Bereich des Personen- und Güterverkehrs, der neue Kooperationen initiiert und ein Maßnahmenpaket bereitstellt, um eine effiziente, umwelt- und sozialverträgliche Mobilität anzuregen und zu ermöglichen. Ein ideales Handlungsfeld im Rahmen des Mobiliätsmanagement stellen Gewerbeansiedlungen oder einzelne Betriebe dar. Sie sind zentrale Quellen und Ziele für verschiedene Verkehre wie Pendelverkehr, Dienstreiseverkehr, Kundenverkehr aber auch Güterverkehr.(1)

Mit Hilfe des Betrieblichen Mobilitätsmanagements für den Personenverkehr kann gezielt eine Mobilität gewährleistet werden, die sich nicht ausschließlich auf die Nutzung des eigenen PKWs konzentriert, sondern Mitarbeitern und weiteren Zielgruppen wie Kunden oder Besuchern auch alternative Optionen ermöglicht. Um dieses Ziel zu erreichen, bedient sich das Betriebliche Mobiliätsmanagement einer großen Bandbreite an Maßnahmen für verschiedene Verkehrsmittel. Dabei ist hervorzuheben, dass keine grundsätzliche Pauschallösung existiert. Es ist vielmehr notwendig, jeden Betrieb oder Gewerbeansiedlung individuell zu analysieren, um daraus die passenden Mobilitätsmanagementmaßnahmen zu entwickeln und umzusetzen. Zum einen kann das Ziel sein, nur eine zeitbegrenzte Maßnahme (z. B. Rad-Aktionstag) zu verfolgen, zum andern einen umfassenden langfristigen Mobilitätsplan mit einem Maßnahmenmix zu entwickeln.

Maßnahmenauswahl im Rahmen des Betrieblichen Mobilitätsmanagements

Maßnahmenauswahl im Rahmen des Betrieblichen Mobilitätsmanagements

Wichtig für eine erfolgreiche Umsetzung der Maßnahmen ist, dass eine Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern wie Verkehrsunternehmen und Verwaltung erfolgt und eine Organisationsstruktur innerhalb der Betriebe eingerichtet wird. Jede Maßnahmenumsetzung muss durch eine gezielte Kommunikation an die Zielgruppen begleitet werden. Vor allem bei Maßnahmen, die bewusst Mitarbeiter ansprechen, ist eine Motivation durch das Unternehmen unerlässlich.

1 MOMENTUM/MOSAIC (2000): Handbuch für Mobilitätsmanagement, http://www.epomm.eu/downloads/MMhandbuch.pdf

weitere Quellen: http://www.mobilitaetsmanagement.nrw.de

Warum ist der Einsatz im ländlichen Raum erforderlich?

Der wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens und einer ganzen Region hängt zu einem wesentlichen Teil von der Ausbildung und Verfügbarkeit von Fachkräften ab.

Vor allem ländlich geprägte Gebiete weisen hier aufgrund ihrer wirtschaftlichen, infrastrukturellen und demografischen Strukturschwächen sowie aufgrund eines Mangels an Ballungs- und Synergieeffekten natürliche Wettbewerbsnachteile auf. Die ausreichende Bereitstellung von qualifizierter Arbeitskraft ist vor allem in ländlichen Räumen nur über die Stärkung von Mobilität zu gewährleisten. Denn nur geringe Anteile der Arbeit könnten mittels Telekommunikationstechnik aus der Ferne, beispielsweise von zuhause aus, geleistet werden. Die für ländliche Räume prägenden Sektoren Industrie, Handwerk, Landwirtschaft und Tourismus dagegen sind hochgradig auf eine physische Anwesenheit der Beschäftigten angewiesen.

Die stark auf das Automobil fixierte Raumplanung und Standortentwicklung der vergangenen Jahrzehnte hat es versäumt, Teilgruppen von Fachkräften (und deren spezifische  Lebenssituationen) vorausschauend zu berücksichtigen, die nicht auf einen eigenen Pkw zurückgreifen können. Beispielsweise kommt der Motorisierte Individualverkehr schon allein für alle Auszubildenden nicht infrage, die noch minderjährig sind oder die sich den Erwerb der Fahrerlaubnis nicht leisten können; aufgrund der hohen privaten Fixkosten des Pkw-Besitzes aber ebenso wenig für untere Einkommensgruppen. Eine gemeinsame Studie der Bundesländer Berlin und Brandenburg(2) hat bereits im Jahr 2010 festgestellt, dass ein unzureichendes Mobilitätsangebot für junge Menschen mit den Ausschlag gibt bei der Entscheidung über eine Abwanderung aus ihrer ländlichen Heimat. Wirtschaftsakteure, also Unternehmen, Aufgabenträger, Kammern und Verbände, können daher nur dann langfristig Fachkräfte erfolgreich gewinnen und halten, wenn sie deren Mobilität sicherstellen. Um dies zu erreichen, spielt das Betriebliche Mobiliätsmanagement eine zentrale Rolle.
2 Gemeinsame Landesplanungsabteilung Berlin und Brandenburg: Bleiben, gehen, wiederkommen? Lebenszufriedenheit und Wanderungsmotive junger Menschen in Brandenburg,November 2010, S. 19. gl.berlin-brandenburg.de/landesplanung/themen/mdb-bb-gl-landesentwicklungsplanung-daseinsvorsorge-bindungskraftgutachten.pdf

Viele Vorteile für Unternehmen und Mitarbeiter

Das Betriebliche Mobiliätsmanagement bietet Gewerbestandorten und Betrieben mit Fokus auf die Fachkräftesicherung und -gewinnung aber auch hinsichtlich weiterer Aspekte wesentliche Vorteile:

Vorteile des Betrieblichen Mobilitätsmanagements

  • Die Erreichbarkeit der Standorte wird für Mitarbeiter, Kunden und Besucher, vor allem für jene, die kein eigenes Auto besitzen, verbessert.
  • Die Attraktivität des Betriebes bei der Personalgewinnung steigt. Damit kann ein größerer Pool an Fachkräften angesprochen werden.
  • Die Kosten beim Bau und Betrieb von Firmenparkplätzen und -parkhäusern können reduziert werden. Die als Parkraum vorgesehenen Flächen können für andere (produktive) betriebliche Zwecke genutzt werden.
  • Die Mitarbeiter sind zufriedener und weniger gestresst, was sich folglich positiv auf die Arbeitsproduktivität auswirkt.
  • Die Unfallkosten für den Weg zur Arbeit werden gesenkt.
  • Die Imagewirkung des Unternehmens wird durch fortschrittliches Handeln und dem Beitrag zum Umweltschutz positiv beeinflusst.

Natürlich profitieren auch die Mitarbeiter konkret von den Maßnahmen des Betrieblichen Mobilitätsmanagements:

  • Sie können Kosten einsparen, indem sie beispielswiese ein vergünstigtes Job-Ticket erhalten oder aufgrund einer besseren Anbindung den Zweitwagen abschaffen können.
  • Sie haben eine bessere Wahlmöglichkeit zwischen Alternativen für den Arbeitsweg.
  • Der Arbeitsweg wird entspannter und sicherer.

Quelle: http://www.mobilitaetsmanagement.nrw.de

Ziele des Projektes 'Betriebe in Fahrt'

Das Projekt „Betriebe in Fahrt“ hat das Ziel, beim Mitteldeutschen Verkehrsverbund (MDV) als zentralen und integrierenden Mobilitätsakteur im Landkreis Leipzig ein Netzwerk in Sachen Betriebliches Mobilitätsmanagement aufzubauen und in eine langfristige Arbeitsstruktur zu überführen, um die verschiedenen Gewerbegebiete und Unternehmen der Region mit Unterstützung des Betrieblichen Mobiliätsmanagement zu mehr öffentlicher Nahmobilität im Landkreis Leipzig zu bewegen. In Folge dessen soll die Zuführung und Sicherung von Fachkräften in der ländlichen Region sichergestellt werden.

Karte betriebliches MobilitätsmanagementDerzeit entwickeln wir eine Struktur wie das Betriebliche Mobilitätsmanagement als unternehmerischer Erfolgsfaktor zur Gewinnung und Bindung von Fachkräften zum Einsatz kommen kann. Ab Ende 2017 wollen wir damit pilothaft Gewerbeansiedlungen und Unternehmen im Landkreis Leipzig beraten und mit verschiedenen Partnern die Umsetzung von Maßnahmen begleiten.

 

Projektpartner

Logo landkreis Leipzig
Logo Thuesac GmbH
Logo Regionalbus Leipzig GmbH
Logo IHK
Logo Investregion Leipzig
Logo Landkreis Leipzig Jobcenter

Logo Arbeitsagentur