22

Aug

2019

Wir lassen den Bus im Dorf

Zukunft der Mobilität

Wer auf dem Land lebt, ist mobilitätsmäßig abgehängt? Muss nicht sein. Denn der MDV stärkt mit attraktiven Angeboten und cleveren Ideen den Nahverkehr im gesamten Verbundgebiet.

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Hoher Besuch erwartete das kleine Brandis im Mai 2019. Mit Horst Seehofer erschien der Bundesminister für Inneres, Bauen und Heimat höchstpersönlich in der Modellkommune im Leipziger Land. Hier wollte er mit Vertretern des öffentlichen Lebens als auch Bürgern ins Gespräch kommen. Neben den gastgebenden Bürgermeister Arno Jesse, Vertretern der Wirtschaft und des Landkreises Leipzig nahm ebenso MDV-Geschäftsführer Steffen Lehmann an dieser Veranstaltung teil. Er sprach unter anderem mit dem Bundesminister über das Problem abgehängter ländlicher Regionen. Beide waren sich einig: man muss die „Sorgen der Bürger ernstnehmen“ – und der öffentliche Nahverkehr kann seinen Teil dazu beitragen. „Um Mobilität unabhängig vom Zweitwagen, nachhaltig und umfassend weiterzuentwickeln, braucht es deutlich mehr Problembewusstsein und finanzielles Engagement auf Bundesebene“, betonte Lehmann.

Ländliches Deutschland

Der ADAC brachte in einer Studie 2018 einige Fakten auf den Tisch: Knapp zwei Drittel von Deutschland gelten als ländlicher Raum, in dem 16 Millionen Menschen leben. Über die Hälfte nutzt zwar den öffentlichen Nahverkehr, sieht sich aber im Vergleich zu Großstädten und Ballungsgebieten bei der Mobilität benachteiligt. Die häufigsten Kritikpunkte: die Verfügbarkeit direkter Verbindungen zur nächsten größeren Stadt sowie Taktung, Preise und die subjektiv zu lange Fahrtdauer. Außerdem werden Themen wie Barrierefreiheit und Sicherheit an Haltestellen und in den Fahrzeugen gerade für die ältere Generation immer wichtiger. „Eine neue Haltestelle kostet um die 20.000,- Euro, das kann unmöglich eine Kommune allein stemmen, hier ist eine anteilige und zweckgebundene Unterstützung vom Bund notwendig“, so Lehmann weiter.

Wir fahren aufs Land

Die Verkehrsunternehmen im MDV haben beim Thema Mobilität im Verbundgebiet zuletzt massiv aufgeholt und sogar vorgelegt. Gar nicht so einfach. Schließlich muss man die geringe Bevölkerungsdichte sowie unterschiedliche Ziele und Reisezeiten unter einen Hut bringen. Außerdem sind die Bedürfnisse der Fahrgäste mitunter recht unterschiedlich. „Wir möchten an alle denken und sie abholen“, betont Steffen Lehmann. „Junge Leute wollen WLAN auf der Strecke, ältere Fahrgäste wünschen sich Sicherheit bei der täglichen Mobilität, und dann gibt es noch die Bedarfe von Arbeitnehmern und Touristen nach komfortabler Taktung, die wir gerne erfüllen möchten. Es ist also eine sehr facettenreiche Aufgabe, die wir hier lösen!“ Und der MDV arbeitet mit den Verbundunternehmen an echten Lösungen und hat erste Erfolge vorzuweisen: zum Beispiel mit individuellen Angeboten und Konzepten sowie durch die Verknüpfung von verschiedenen Verkehrsmitteln wie Bus und S-Bahn. Das fruchtet: Immer mehr Fahrgäste in Mitteldeutschland nutzen die ausgebauten vernetzten Mobilitätsangebote. Im gesamten Verbundraum ist die Zahl der Fahrgäste im Vergleich zum Vorjahr um 5 % gestiegen, und im Modellgebiet „Muldental in Fahrt“ sogar in nur 1,5 Jahren um sage und schreibe 14 %. Hier wurde das Verkehrsangebot umfangreich ausgebaut: mehr Busse, mehr Haltestellen und deutlich mehr Fahrten abends und am Wochenende.

 An alle denken und abholen

Ob der Weg zum Arzt, zur Post, in den Supermarkt, auf Arbeit, in die Schule, zur Uni oder zum Badesee: Ist der öffentliche Nahverkehr gut getaktet und durchdacht, kann man jedes Ziel ansteuern. Auch auf den Tourismus als wichtigen Wirtschaftsfaktor hat eine gute Mobilität direkte Auswirkungen. Deshalb arbeitet der MDV traditionell eng mit Kommunen und Tourismusverbänden zusammen. „Man soll sich  wegen der guten Mobilität im MDV-Gebiet wohlfühlen – ganz gleich, ob man hier lebt oder zu Besuch ist“, erklärt Steffen Lehmann. „Das ist eines unserer großen Ziele, an dem wir jedes Jahr mit allen Partnern und Unternehmen arbeiten!“

Gute Kooperationen mit Landräten und Verwaltungen

Und wie sieht die Kooperation mit der Politik aus? „Es gibt zahlreiche gute Beispiele für die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Politik. Insbesondere die Landräte und Verwaltungen in nahezu allen Landkreisen im MDV haben sich innerhalb der letzten 5 Jahre der Weiterentwicklung der Verkehrsnetze offen angenommen und krempeln die Ärmel entschlossen hoch“, lobt der MDV-Geschäftsführer das Engagement.