16

Okt

2018

Busfahrt ohne Fahrer?

Zukunft der Mobilität

Autonomes Fahren und vollautomatischer Nahverkehr – so ist der Stand der Dinge.

Ein fahrendes Vehikel ganz ohne Mensch am Steuer? Das hinterlässt bei uns derzeit noch ein seltsames Gefühl. Doch was bei Automobilen noch getestet wird, ist im öffentlichen Nahverkehr längst schon angekommen: der fahrerlose Fahrbetrieb. Ob in Paris, Rom, Mailand, London, Barcelona, Budapest, Kopenhagen oder dem schweizerischen Lausanne – überall fahren U-Bahnen autonom und ohne Fahrer, häufig schon seit vielen Jahren. Auch in Deutschland: Nürnberg betreibt beispielsweise bereits seit 2008 eine vollautomatisch fahrerlose U-Bahn.

Gut und schön und bei U-Bahnen sicherlich nachvollziehbar. Schließlich müssen sie sich nicht auf einer Strecke selbstständig orientieren, da sie dank der Schienen eine festgelegte Strecke abfahren können. Aber wie ist das bei Bussen? Viele Experten sagen: Autonomes Fahren kommt auch in diesem Bereich des Nahverkehrs. Zum Beispiel rollt im niederbayrischen Kurort Bad Birnbach ein autonom fahrender Elektrobus mit 15 Stundenkilometern eine hindernisfreie Strecke vom Ortszentrum bis zur Therme. Dabei bewältigt er immerhin 700 Meter öffentlicher Straße im Linienbetrieb. Der Bus kann Hindernissen noch nicht selbstständig ausweichen, sodass ein Fahrbegleiter per Joystick eingreifen muss, falls eine Katze den Weg kreuzt oder andere Hindernisse die Strecke blockieren. Doch Gaspedal und Lenkrad sind in jenem E-Bus bereits Vergangenheit – ein Hinweis, wohin die technologische Busreise in Zukunft gehen wird.

Welche Technologien sind notwendig?

Ein vollautomatischer öffentlicher Personennahverkehr ist unkompliziert zu realisieren. In der Theorie zumindest. Die Fahrzeuge sollen auf genau vorgegebenen Strecken fahren, die dafür technologisch entsprechend vorbereitet werden müssen. Während bei S- oder U-Bahnen eine Schiene die Spur fest vorgibt, sieht das bei Bussen schon anders aus: Sie benötigen ein System aus bis zu zehn Kameras an Bord des Fahrzeugs sowie ein Netz aus tausenden Sensoren plus moderner Software, um das Fahrzeug auf öffentlichen Straßen sicher in der Spur zu halten.

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Wie ist der Stand in fünf Jahren?

Auf dem Papier, im kleinen Rahmen und im Schönwettertest funktioniert das Prinzip bereits. Doch die technischen Hürden für einen sicheren und großflächigen Einsatz autonomer Busse müssen die Ingenieure diverser Hersteller noch in den Griff bekommen. Wechselnde Wetterlagen, undeutlich markierte Signalumgebungen, Sichtverhältnisse, Tunnel, der Sonnenstand sowie die Lichtverhältnisse bei Tag und in der Nacht – diese Eventualitäten kann die moderne Sensorik noch nicht sicher aussteuern.

Auf dem Weg zum autonomen Fahren gibt es daher Zwischenetappen, die angesteuert werden. Sie hören auf die Bezeichnung „automatisiertes Fahren“ und beinhalten Technologien, die man aus modernen PKWs ebenfalls kennt – beispielsweise Assistenten beim Einparken oder zur Einhaltung der Fahrspur. Dennoch: autonomes Fahren ist nur eine Frage der Zeit – und zugleich die Antwort auf so manche drängende Frage im Nahverkehr. Denn ein autonomer Busbetrieb kann enger getaktet werden und gerade in dünn besiedelten ländlichen Regionen eine bessere Versorgung leisten. Perspektivisch könnte die Technologie das Verhältnis von Personalkosten im Vergleich zur Zahl der Fahrgäste optimieren und Verkehrsleistungen auch außerhalb von Stoßzeiten mit kleineren Bussen bedienen. Doch das ist zweifellos Zukunftsmusik. Die ersten autonom fahrenden Busse werden eher auf Zubringerrouten unterwegs sein, auf denen sie auf einer festen Strecke von A nach B nur wenige Zwischenstopps bewältigen müssen. Bis es soweit ist, bleibt der MDV am Ball und beobachtet die Entwicklungen gespannt.