12

Sep

2018

Talente mit Tüftler-Gen

In der Forschungsgruppe Eco-Emotion bauen Studenten der Hochschule Merseburg an eigenen Fahrzeugen. Ein Besuch bei den Nachfolgern von Daniel Düsentrieb.

hs_merseburg_Forschungsgruppe eco-Emotion

Foto: Bertram Bölkow

Eine einfache Garage. Scheinbar. Doch in ihren Räumen tüfteln Studenten der Hochschule Merseburg an den möglichen Automobilen von morgen. Und vor der Tür steht bereits die Form ihres neuesten Meisterstücks: Eine nackte Karosserie „ohne alles“ prangt in der Junisonne, hergestellt aus vier Lagen laminierter Glasfaser und Zwischenergebnis einer 1,5-jährigen Entwicklungsarbeit und dreimonatiger Herstellung. Wie eine Blaupause aus einer anderen Zeit sieht diese Karosserie des E-Roadster K3 aus – eine Mischung aus einem Bugatti-Oldtimer der 30er Jahre versehen mit einem herzhaften Schuss Steampunk-Attitüde. Was hier noch im Rohbau steht, wird im Mai 2019 beim Eco-Shell-Marathon an den Start gehen. Gewinnen wird dort jenes Fahrzeug, das mit einem einzigen Liter Benzin die längste Strecke zurücklegen kann.

hs_merseburg_Forschungsgruppe eco-Emotion

Foto: Bertram Bölkow

Deshalb geht es für die zehn Studenten rund um Teamleiter Christian also längst nicht darum, mit einem außergewöhnlichen Design einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Sie müssen vor allem ein cleveres Antriebsprinzip aus Elektromobilität und Hybridkonzept mit sinnvollen Materialien und Bauelementen verbinden, um beim Eco-Shell-Marathon eine Chance zu haben.

Seit 2006 gibt es das Forschungsprojekt Eco-Emotion an der Hochschule Merseburg, bei ständigem Wechsel der Teams. „Hier herrscht viel Dynamik“, bestätigt Christian schmunzelnd. „Hat ein Team eine Fahrzeugstudie realisiert und beim Marathon vorgestellt, wartet auf die Beteiligten wieder das Studium oder der Einstieg in den Job – und neue Leute übernehmen die Aufgabe.“ Unterschiedliche Antriebsprinzipien, Designs und Materialien wurden im Rahmen des Forschungsprojekts an völlig unterschiedlichen Fahrzeugen seitdem getestet – zum Beispiel Karosserien aus Naturseide, Baumwolle oder sogar Hanffasern („Hanf war aber nicht so gut. Wenn es regnete, begann die Karosserie zu wachsen….“). Dabei hat jeder im Team seinen eigenen Aufgabenbereich, „aber am Ende hilft hier jeder jedem“, ist Christian begeistert.

hs_merseburg_Forschungsgruppe eco-EmotionFoto: Bertram Bölkow

Man merkt den Studenten an: Solch eine Verbindung aus Praxisbezug, neuen Erkenntnissen, Eigenverantwortung und Teamspirit schweißt zusammen und ist ein Wert, der weit über das Erreichen der Ziellinie hinaus Bestand haben wird.