23

Mai

2018

Land aus Wein und Stein

Der Naumburger Dom wird dieses Jahr voraussichtlich zum Welterbe ernannt…

… und ist mit seinen historischen Stifterfiguren ein spannender Startpunkt für einen Ausflug in die hochmittelalterlich geprägte Wein- und Kulturlandschaft an Saale und Unstrut.

Guter Wein, einzigartige Kulturgüter und malerische Naturlandschaften – in der Saale-Unstrut-Region im Herzen Deutschlands kommen Genießer, Schöngeister und Ausflugsfreunde schnell auf den Geschmack: Im „Land aus Wein und Stein“ warten unzählige Weinberge, herrliche Flussstrecken und ein architektonisches Erbe aus 1000 Jahren europäischer Geschichte. Einer der kulturellen Leuchttürme an der Saale: der Naumburger Dom St. Peter und St. Paul, der mit hoher Wahrscheinlichkeit von der UNESCO den begehrten Titel des Welterbes erhalten wird. „hin&weg“ entführt Sie in die verwinkelten Gassen des sympathischen kleinen Städtchens.

Von Stollen bis Nietzsche

antje_peiser_saale-unstrut-tourismusUnd wer könnte als Tourguide besser geeignet sein als Antje Peiser, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Saale- Unstrut? Die gebürtige Naumburgerin erwartet uns mit einem Lächeln und ihrem großen Wissensschatz an der Stadtkirche St. Wenzel, die eine noch von Johann Sebastian Bach höchstpersönlich eingeweihte Hildebrandt-Orgel beherbergt. Unsere kleine Tour in Richtung des Naumburger Doms beginnt bei diesem musikalischen Unikat, führt am Naumburger Marktplatz vorbei, der mit seinen alten Kaufmannshäusern mittelalterlichen Charme versprüht, und macht Zwischenstation bei der „Bäckerei Block“ – und der Erkenntnis, dass wohl nicht Dresden die Geburtsstadt des Stollens ist. „Die Ersterwähnung des beliebten Naumburger Stollens findet sich in einer Urkunde aus dem Jahre 1329“, erzählt Antje Peiser stolz. „Statt mit Rosinen wird der Stollen heute jedoch mit Kirschen, Kirschwasser und Dinkelmehl gebacken.“

Ein berühmter Kopf Naumburgs kam sicherlich mehr als nur ein Mal in den Genuss des Naumburger Stollens: Friedrich Nietzsche, dessen ehemaliges Wohnhaus heute mit einer Dauerausstellung den Lebensweg des großen Philosophen nachzeichnet. Nietzsche ließ in Naumburg zwar noch nicht seinen Zarathustra sprechen, wuchs jedoch in dem Städtchen auf, besuchte Elementarschule, Domgymnasium sowie das nahe gelegene Internat Schulpforta und kehrte nach verschiedenen Stationen in Europa zurück an die Saale, um dort in seinen letzten Tagen von seiner Schwester gepflegt zu werden.

Inspiration für Walt Disney

bronzerelief_marktplatz naumburgGut gepflegt sind auch die historischen Straßenbahnen Naumburgs, in denen Tickets noch geknipst werden wie zu Friedrichs Zeiten. Die ehrwürdige „Wilde Zicke“, wie die Bahn hier liebevoll genannt wird, bringt den Naumburgbesucher zum Salztor in der Nähe des kleinsten Stadttheaters Deutschlands. Von hier aus erreicht man zu Fuß das weltberühmte Wahrzeichen Naumburgs: Den Naumburger Dom, der in schwindelerregender Höhe per Glockenschlag verkündet, dass es Zeit ist – Zeit für einen ganz kurzen Geschichtsexkurs, der die Welt und die UNESCO bewegt.

Dem spätromanisch-frühgotischen Bauwerk ist es zu verdanken, dass Naumburg und Saale-Unstrut-Region fortan stolz auf ein Welterbe sein könnten. „Der universelle Wert des Doms liegt neben den zwölf Stifterfiguren, die eine für damalige Verhältnisse einzigartige Mimik und Gestik besitzen, auch in den zwei noch erhaltenen Lettnern in den beiden Chören“, erklärt Antje Peiser vor den Skulpturen. „Die bekannteste Figur ist Uta, Gräfin von Ballenstedt, die auch als schönste Frau des Mittelalters gilt und – völlig unverdienterweise – Modell für die böse Königin in Walt Disneys Zeichentrickverfilmung von ‚Schneewittchen‘ stand.“ Der oder die Künstler der Steinskulpturen sind allerdings bis heute unbekannt.

25 Jahre Wein und Romanik

Eines jedoch ist klar: Auch Freunde von Natur und Wein kommen im Qualitätsweinanbaugebiet Saale-Unstrut voll auf ihre Kosten. So etwa am einstigen Wochenendhaus des Malers und Bildhauers Max Klinger, der mit seinem Ausspruch „Hier ist es wie in der Toscana, bloß näher“ ganz offensichtlich das mediterrane Ambiente beschrieb. Kein Wunder: Hier kann man den Blick über die Weinberge und die Flüsse Unstrut und Saale schweifen lassen und die Naumburger Stadtsilhouette mit ihren vielen historischen Bauten genießen. Ein fantastisches Panorama, das so charakteristisch ist für das Land aus Wein und Stein. Gerade in diesem Jahr lohnt ein Besuch der Region ganz besonders. Schließlich stehen gleich zwei Jubiläen an: 25 Jahre „Straße der Romanik“ als touristisches Ziel sowie 25 Jahre „Weinstraße Saale-Unstrut“, in deren Rahmen zahlreiche Ausstellungen und Ereignisse in das Gebiet locken. Während in der Region ein weltweit einzigartiges Ensemble hochmittelalterlicher Prachtbauten der Straße der Romanik liegt, lockt auf der 60 Kilometer langen Weinstraße entlang der schönsten Weinberge der Genuss des edlen Rebentröpfchens.

„Ausgeflogen“

Der MDV bringt wanderfreudige und fahrradbegeisterte Besucher komfortabel zu Ausgangspunkten vieler spannender Touren auch in die Saale-Unstrut-Region. Die schönsten Routen und vielfältige Ausflugstipps präsentiert die aktuelle Broschüre „Ausgeflogen“ des MDV, die kostenlos an vielen Info- und Ticketschaltern im Verbundgebiet erhältlich ist. Viel Spaß beim Erkunden und Genießen wünscht der Mitteldeutsche Verkehrsverbund (MDV)!

Drei von unzähligen Ausflugszielen in der Saale-Unstrut-Region

Arche Nebra

arche_nebraEine Reise in die Bronzezeit: Entdecken Sie den Fundort der 3600 Jahre alten Himmelsscheibe von Nebra mit der weltweit ersten konkreten Himmelsdarstellung. Das als Sonnenbarke gestaltete Besucherzentrum gewährt einen authentischen Blick in das Leben unserer Vorfahren.

 

Kloster Memleben

kloster_memleben Der Atem der Geschichte weht durch die Anlage des Klosters Memleben. Ob in der Krypta, im mittelalterlichen Klostergarten oder bei einem Spaziergang in der Kirchenruine – die Historie der einstigen Pfalz aus dem 10. Jahrhundert zieht noch heute in ihren Bann.

 

Geiseltalsee

geiseltalsee Baden, Tauchen, Schifffahren, Wandern: Der größte künstlich geschaffene See Deutschlands bietet allerlei Freizeitmöglichkeiten. In dem ehemaligen Braunkohlegebiet begeben Sie sich auf den 28 km langen Rundweg, machen Halt an den Weinbergen oder stürzen sich ins kühle Nass – aber bitte nüchtern!

 

Bildnachweise: Alle Abb. außer Geiseltalsee, Arche Nebra, Kloster Memleben: Bertram Bölkow; Geiseltalsee, Arche Nebra, Kloster Memleben: Saale-Unstrut-Tourismus e.V.

Text: Die Texterkolonie