08

Mai

2017

Interview mit Volker Bremer

Angesagt und nachgefragt

Volker Bremer Geschäftsführer LTM GmbHDer studierte Wirtschaftswissenschaftler Bremer begann seine berufliche Karriere 1989 in den Bereichen „Brand Management“ und „Key Account Management“ der Kraft Foods GmbH (heute Jacobs Douwe Egberts). Für die Mars GmbH war er von 1993 bis 1995 als Marketing Manager und von 1995 bis 1998 als Director Food Services tätig. 1998 gründete er eine eigene Unternehmensberatung.

Seit 2006 ist Volker Bremer Geschäftsführer der Leipziger Tourismus und Marketing GmbH (LTM). Die LTM GmbH vermarktet Leipzig und die Region weltweit als Destination für Urlaubs- und Geschäftsreisende und zeichnet sich für das Stadt- und Standortmarketing verantwortlich.

Herr Bremer, wo macht Leipzigs Tourismus-Chef am liebsten Urlaub?

Im Sommer in Südtirol. Die Mischung aus Landschaft, Bergen, Kultur und Genuss ist wirklich einmalig. Und wenn es hier so heiß ist, ist es dort in den Bergen noch angenehm temperiert. Eine wunderbare Ecke, um da Urlaub zu machen.

Zurück nach Mitteldeutschland: Die Tourismusregion hier und der MDV mit seinem Angebot – ist das eine ohne das andere überhaupt denkbar?

Nein. Ein gutes ÖPNV-Netz mit S-Bahn und City-Tunnel wertet auch die Tourismusregion auf. Die schnelle und unkomplizierte Erreichbarkeit zwischen Stadt und Region ist ein großer Vorteil.

Reisen die Leipziger Gäste denn mit der Bahn an?

Die meisten kommen mit dem PKW. Aber gerade während des Aufenthaltes nutzen sie gern das funktionierende ÖPNV-Netz, weil dadurch die Parkplatzproblematik entfällt, genauso wie das Problem mit der Grünen Plakette.

Haben Sie spezielle Angebote für Touristen?

Ja. Die Leipzig Tourismus und Marketing GmbH bietet Leipzigs Besuchern die Leipzig Card und die Leipzig Regio Card an. Mit diesen Welcome Cards können Touristen für die Dauer von ein oder drei Tagen zum Pauschalpreis verschiedene Angebote in Anspruch nehmen und auf allen Straßenbahn-, Bus- und S-Bahn-Linien und Nahverkehrszügen die Fahrt genießen. Zudem gibt es mit den Karten Rabatte in Museen, Restaurants und Freizeiteinrichtungen. Wir freuen uns über diese Kooperation mit dem MDV.

Ist das Angebot des MDV für die Größe der Tourismusregion Mitteldeutschland ausreichend?

Der MDV deckt eine Fläche von mehr als 7.500 Quadratkilometern mit unter anderem acht S-Bahn-Linien, 29 weitere Zuglinien im Nahverkehr, 33 Straßenbahnlinien und mehr als 500 Buslinien ab. Das ist ein sehr weitreichendes Angebot, wenngleich davon vor allem die Städte profitieren, deren Ausflugsziele am S-Bahn-Netz liegen und die auch am Wochenende mit Bus und Bahn zu erreichen sind. Potenziale gibt es noch in den Orten im ländlichen Raum, die unzureichend angebunden sind, beispielsweise Löbnitz am Lutherweg / Mulderadweg. Ein positives Beispiel ist die Buslinie 106, die in der Saison als Beachliner den Cospudener, Markkleeberger und Störmthaler See abdeckt.

Nutzen Sie den öffentlichen Personennahverkehr auch, um beispielsweise zur Arbeit zu kommen?

Volker Bremer Geschäftsführer LTM GmbH

Laut Volker Bremer ist ein lebendiger Tourismus im Verbundgebiet ohne den MDV nicht denkbar

Ja. Ich bin vor gut zweieinhalb Jahren nach Delitzsch gezogen, rund 20 Kilometer außerhalb von Leipzig. Mit einem sehr guten S-Bahn-Angebot. Es ist klasse, wenn ich bei Abendveranstaltungen in Leipzig bin – und das Auto zu Hause stehen lassen kann. Oder wenn ich zu den Spielen von RB Leipzig fahre, da nutze ich das Angebot auch sehr gern.

Sie sind also Fan des Bundesligisten?

Bin ich. Von Anfang an, ich war auch beim Relegationsspiel damals in Lotte zum Aufstieg in die 3. Liga dabei. Ein schöner Weg, den RB da gegangen ist.

Die Tourismus-Region Leipzig boomt. Könnte auch das Angebot des MDV ein Erfolgsgrund sein?

In der Tat: Leipzig hatte 2016 mit seiner Gästestatistik das elfte Rekordjahr in Folge. Für die Gesamtdestination Leipzig Region ergab sich ein Volumen von etwa 4,9 Millionen Übernachtungen. Das entspricht einem Anteil von etwa 26 Prozent an den gesamten Übernachtungen in Sachsen – und ist Spitzenwert im Freistaat. Das Angebot des MDV ist dabei ein wichtiger Faktor. Leipzig und die Region sind besonders mit der S-Bahn gut an den Rest Mitteldeutschlands angebunden. Auch innerhalb der Städte bietet der MDV einen sehr guten Service, was dazu beiträgt, die Tourismusregion Leipzig als attraktives Reiseziel mitzugestalten.

Inwieweit könnte das Angebot des MDV dazu beitragen, auch andere weniger bekannte Regionen in Mitteldeutschland für Touristen attraktiver zu machen?

Gerade für Radtouristen oder Wanderer wird eine Urlaubsregion attraktiver, wenn die Möglichkeit besteht, die Tour nicht immer nur als Rundtour zu planen, sondern mit dem ÖPNV zum Ausgangsort zurückzukehren. Hier wäre eine Nachbesserung wünschenswert.

Welche konkreten Verbesserungen sehen Sie da?

Eine Idee könnten spezielle Radbusse an den Wochen-enden sein, die ebenfalls die kostenfreie Mitnahme von Rädern ermöglichen.

Stichwort Neuseenland: Die Region ist sehr beliebt. Wie viel Tourismus hält das Gebiet aus?

Sowohl im Leipziger Neuseenland als auch in der Region Leipzig sind Gäste und Touristen nach wie vor gewünscht und gewollt. Bedingt durch sein tolles Angebot an Outdoor-Aktivitäten, wie beispielsweise Wassersport aller Art, und sein gut ausgebautes Radwegenetz ist das Neuseenland hauptsächlich ein saisonales Urlaubsziel. Dadurch kommt es in den Sommermonaten an den Seen und Wasserwegen sicher zu Spitzen, aber das ist kein Dauerzustand. Es gibt naturschutzrechtliche Einschränkungen, zum Beispiel im Auwald oder an einigen Seen, so dass das Gleichgewicht von Natur und Tourismus auch gewahrt bleiben kann.

Wo sehen Sie Entwicklungsbedarf im Angebot des MDV?

Wünschenswert wäre eine saisonale Optimierung der ÖPNV-Anbindung bestimmter regionaler touristischer Höhepunkte, zum Beispiel entlang von Rad- und Wanderstrecken mit überregionaler Bedeutung, wie Mulderadweg, Heide-Biber-Tour. Auch eine Schwach-stelle: Bad Düben. Als Kurstadt ist es von Nachteil, dass keine Zuganbindung aus Leipzig mehr besteht. Gerade Kurgäste reisen oft und gern mit dem Zug an. Außerdem ist der Naturpark Qualitätswanderregion. Und: Die Stadt Grimma wünscht sich ebenfalls eine Anbindung an das S-Bahn-Netz, da sie zentraler Anlaufpunkt für Aktiv- und Kultururlauber ist. Stichwort: Mulderadweg, Lutherweg, Sachsens Schönste Dörfer.

Was wünscht sich Volker Bremer vom MDV?

Eine noch engere Kooperation bei der gemeinsamen Bewerbung von Festivals und Großveranstaltungen, wie zum Beispiel Museumsnacht und die Tage der Industriekultur. Die kann durch Kommunikationsmaßnahmen über soziale Netzwerke oder auch durch die Auslage von Prospekten in den Zügen des MDV erfolgen. Dabei würden Synergien für Leipzig und für die Region erzeugt. Die Leipziger werden angeregt, mit dem Zug Projekte in der Region zu besuchen – und die in der Region Lebenden werden auf die Angebote in Leipzig aufmerksam gemacht. Auch für immer beliebter werdende Aktiv-Angebote wie den Fahrrad-Tourismus wünsche ich mir weitere Unterstützung.

Das Interwiew mit Volker Bremer sowie weitere interessante Artikel zur „Tourismusregion Mitteldeutschland“ können Sie in unserem aktuellen Magazin „Hin & Weg“ nachlesen. Es ist kostenfrei erhältlich im MDV-Shop, am MDV-Infomobil sowie in den Nahverkehrszügen und Servicestellen der Verkehrsunternehmen.