21

Mrz

2013

Mitteldeutscher Verkehrsverbund hat Preiserhöhung beschlossen

Vielfahrer weiterhin besser gestellt, Kinderfahrkarten bleiben unverändert

Die Gesellschafterversammlung des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV) hat am heutigen Donnerstag eine Tariferhöhung beschlossen. Sofern dem auch die zuständigen Genehmigungsbehörden zustimmen, steigen die Preise für Züge, Straßenbahnen und Busse im Verbundraum am 01. August um durchschnittlich 3,5 bis 4,5 Prozent. Zugleich nimmt der Verbund aber auch verschiedene Tickets neu in sein Angebot auf, die bisher nur bei einzelnen Unternehmen gelten. So kann man künftig mit den Bahn-Angeboten Sachsen-Anhalt-Ticket, Sachsen-Ticket und Thüringen-Ticket innerhalb des MDV auch Busse und Straßenbahnen nutzen. Der bisher beim Umstieg notwendige Kauf von MDV-Tickets ist damit nicht mehr notwendig.

Mit der MDV-Preisanpassung werden Einzelfahrkarten in Leipzig und Halle 10 Cent teurer als bisher. In der Region liegt die Preiserhöhung beginnend mit Zweizonen-Fahrten zwischen 10 Cent und 30 Cent für Fahrten über sechs oder mehr Zonen. Auch die Preise für die 4-Fahrtenkarten steigen differenziert in Halle und Leipzig sowie in der Region für Fahrten ab zwei Zonen oder mehr. Häufig- und Vielfahrer, die Wochen- und Monatskarten und vor allem die verschiedenen Abo-Angebote nutzen, müssen ab August auch etwas tiefer in die Tasche greifen. Allerdings fällt für diese Nutzer die Preissteigerung mit Mehrkosten von lediglich 3 – 5 Cent pro Fahrt deutlich geringer aus. Ganz und gar unverändert bleiben die im vergangenen Jahr neu eingeführten Angebote ABO Senior und ABO Senior Partner, die generell verbundweite Fahrten ermöglichen.

Im Preis gleich bleiben verbundweit auch die Kurzstreckenfahrkarten. In allen regionalen Zonen bleiben zudem die Preise für die Tageskartenangebote stabil und bei Ein-Zonen-Fahrten außerhalb von Halle und Leipzig verändern sich die Preise für Einzel- und Vierfahrtenkarten ebenfalls nicht.

Zum wiederholten Male gleich bleiben auch die Preise für alle Kinderfahrkartenangebote im Verbund. „Obwohl wir die Kinderfahrkarten bereits seit 2008 nicht erhöht haben, ändern wir deren Preise auch bei diesem Tarifwechsel nicht.“ betont MDV-Geschäftsführer Steffen Lehmann und verweist darauf, dass sich der Verbund durchaus seiner sozialen Verantwortung bewusst ist. „Uns ist klar, dass keiner unserer Kunden von sich aus gern einen höheren Ticketpreis zahlen will. Aber in vielen öffentlichen Diskussionsrunden konnte ich ein Grundverständnis dafür wahrnehmen, dass es in der finanziellen Situation besser ist, die Tarife moderat zu erhöhen, als Einschnitte im Leistungsangebot vorzunehmen.“ Offensichtlich steht die Bevölkerung in Mitteldeutschland trotz steter Preissteigerungen von 2 – 4 % in den letzten Jahren tatsächlich zum Nahverkehr. Das beweisen ganz klar die Fahrgastzahlen: In den Verkehrsmitteln im Verbund werden heute pro Jahr 15 Millionen Fahrgäste mehr gezählt als zum Verbundstart.

Dass der MDV auch in diesem Jahr nicht um eine Tariferhöhung herum kommt, dürfte all denjenigen, die die Finanzierungssituation des Nahverkehrs seit Jahren kritisch beobachten, klar sein. Kraftstoffpreise auf anhaltend hohem Niveau, stagnierende Bestellerentgelte, fehlende Mittel für dringend notwendige, nachhaltige und kundenwirksame Investitionen und bei einer Reihe von Unternehmen auch steigende Lohnaufwendungen sind die großen Problemfelder aller Nahverkehrsbetriebe – nicht nur im MDV.

Wie schwierig die Situation insgesamt ist, zeigt die Tatsache, dass von den jährlich benötigten 400 Mio. € für die Gewährleistung des Betriebes im Verbund nur 165 Mio. € aus Fahrgeldeinnahmen gewonnen werden. 235 Mio. € steuern die Nahverkehrsbesteller auf Straße und Schiene sowie Bund und Länder mit verschiedenen Ausgleichsleitungen bei. Da es hier in den letzten Jahren permanent Einschnitte gab, fehlen dem Nahverkehrssystem im MDV jährlich mindestens 115 Mio. € im Vergleich zum Jahr 2001. Zwar konnten die Unternehmen im MDV 50 Mio. € über höhere Fahrpreise und über zum Teil deutliche Fahrgastzuwächse kompensieren, die Schere zwischen benötigten und tatsächlich verfügbaren Mitteln klafft immer weiter auseinander. So rettet die Fahrgäste in Mitteldeutschland nur das im Jahr 2012 mit 7,02 Mio. € Mehreinnahmen gegenüber dem Vorjahr bisher beste Jahresergebnis seit Verbundgründung vor einer drastischen Leistungsreduzierung. Wäre es nicht gelungen, über die letzte Tarifsteigerung und über die zeitgleich eingeführten neuen Ticketangebote allein 2012 rund 1,5 Mio. neue Fahrgäste zu gewinnen, hätten zwischenzeitlich rund 50 Buslinien im MDV-Raum gestrichen werden müssen. Die Folgen für die mitteldeutsche Bevölkerung wären fatal.

So ist die MDV-Geschäftsführung beim jüngst diskutierten Tarifmoratorium hin und her gerissen. Verbundgeschäftsführer Lehmann versteht das Grundanliegen des angestrebten Moratoriums darin, eine mittel- und langfristige Klarheit bei der Nahverkehrsfinanzierung zu finden – sowohl auf Ebene der politischen Entscheidungsträger in den Kommunen als auch in der Landes- und Bundespolitik. „Dieses Anliegen teilen wir und wir werden den Diskussionsprozess mit entsprechenden fachlichen Szenarien und Bewertungen untersetzen. Solange dieser Prozess der Diskussion mit den politischen Entscheidungsträgern aber läuft, muss die Finanzierung des aktuellen Verkehrsangebotes abgesichert werden.“ Ansonsten besteht laut Lehmann massiv die Gefahr, dass deutliche Einschnitte im Verkehrsangebot der Unternehmen vorgenommen werden müssen.

Ergänzende/ untersetzende Informationen:

1.) fehlende Mittel heute gegenüber denen des Jahres 2001

  • 5,0 Mio. € durch rückläufige Einwohner-, Schüler- und Azubi-Zahlen
  • 5,5 Mio. € durch Kürzungen von Bundesmitteln für die ermäßigte Beförderung von Schülern, Azubis und Schwerbehinderten
  • 15,0 Mio. € durch Kürzungen der Länder bei Investitionsförderungen
  • 40,0 Mio. € durch Kürzungen Städte/Landkreise bei den Bestellerentgelten
  • 50,0 Mio. € durch fehlenden Ausgleich der Inflationsentwicklung (1,6% p.a.)

Damit fehlen im MDV 115,5 Mio. Euro zu Finanzierung des Nahverkehrssystems. Lediglich ein Teil der fehlenden Mittel konnte über die Tariferhöhungen der letzten Jahre und parallel über 15 Millionen in den letzten Jahren neu gewonnene Fahrgäste kompensiert werden. Die daraus erzielten Mehreinnahmen von 50,0 Mio. € schließen die Deckungslücke jedoch nicht.

2.) Gesamtkosten MDV:

Für das heute jährlich angebotene Leistungsvolumen von insgesamt 82,6 Mio. km

(Zug = 14,3 Mio. km; Tram = 18,2 Mio. km, Bus: 50,1 Mio. km) müssen 400 Mio. € aufgewendet werden. Dabei entfallen etwa

  • 40 % auf den Materialaufwand
  • 37 % auf den Personalaufwand
  • 12 % auf Zinsen und Abschreibungen und
  • 11% auf sonstige Aufwendungen

Allein bei den steigenden Aufwendungen für Material und Personal um 3% entstehen den Verkehrsunternehmen im Verbund Mehrkosten von 9,24 Mio. € pro Jahr.

3.) Energiekosten:

Die Dieselpreise (und Kraftstoffpreise allgemein) bewegen sich auf anhaltend hohem Niveau. So stieg der Dieselpreis von 2010 bis heute um 28%. Eine Preissteigerung von 10 Cent pro Liter Diesel bedeutet für die Unternehmen im MDV bei jährlich rund 15 Mio. Liter benötigten Dieselkraftstoffs einen Mehraufwand von 1,5 Mio. € pro Jahr.

Der drohende Wegfall der Befreiung von der EEG-Umlage für die Nahverkehrsunternehmen bedeutet zusätzlich ein unternehmerisches Risiko in Höhe von ca. 3 Mio. €.